Aufstehen, fruehstueck, losfahren zum Sightseeing. So einfach haette es heute morgen sein koennen. Wenn ich nur nicht gestern abend bis tief in die Nacht aufgeblieben waer, dann waer ich heute vielleicht auch puenktlich aufgestanden und wie verabredet um 8 am Fruehstuecksbuffet aufgekreuzt. So klingelte um halb 8 mal kurz der Wecker, den ich im Tran dann versehentlich ganz gekillt habe, statt ihn auf schlummern zu schalten und so wurde ich das naechste mal um kurz nach 8 wach. Zu spaet, um Roland anzurufen und das Fruehstueck zu verschieben. Also zuegig (naja, was man morgens nach 5 Stunden Schlaf so zuegig nennt jedenfalls) aufstehen, anziehen, duschen, und raus aus dem Bett und um halb neun stand ich dann auch unten am Fruehstuecksraum. Wo natuerlich keiner mehr war, den ich kannte. Naja, kann ja auch alleine essen, bin ja schon gross.
Um mal eben die Spannung hier ein bischen rauszunehmen, koennte ich an dieser Stelle schonmal verraten, dass Roland gar nicht fruehstuecken war, als ich nicht gekommen bin, sondern sich zurueck ans Telefon verzogen hat, um auf meinen Weckruf zu warten. Waehrend ich also unten vor mich hinschlemmte, hungerte er im Zimmer vor sich hin.
Ok, also zurueck zum Fruehstueck. Gab irgendwie alles moegliche, Nudeln, Salat, Wuerstchen, lustige Teigtaschen und andere komische Sachen. Also eigentlich alles ausser anstaendigem Brot und Ei. Immerhin gabs ordentliche Butter und nicht diese komische Chemiemargarine, die ich mit im Supermarkt geholt habe. Hab dann ein bischen von allem probiert und mich allein an einen Vierertisch zurueckgezogen. Da kamen dann irgendwann auch zwei aeltere chinesische Herren in Begleitung einer jungen Dame, die zwar irgendwie dazugehoerte, aber ueber die Verhaeltnisse konnte ich nur spekulieren. Ich wage ja zu behaupten, sie haette nicht zur Familie gehoert. Jedenfalls nicht genetisch. Vielleicht wars eine Geschaeftsbeziehung (sag ich mal so).
Nach dem Fruehstueck sind wir dann zu viert in die Stadt, erstmal ein bischen am Platz des Volkes rumgelaufen und haben uns dann in dei relative Waerme des Shanghaier Museums zurueckgezogen. Ausstellungen mit allem moeglichen aus chinesischer Geschichte, Stein-, und Bronze-Zeugs, Kalligraphie und andere Malerein, Muenzen, Moebel... halt alles moegliche. War sehr interessant und recht kurzweilig - in zweieinhalb Stunden hatte ich alles mal durch. Hab mir allerdings auch nicht alles im Detail angeschaut. Dafuer waren da so asiatische Nasen unterwegs, die sind mit Kameras rumgerannt und haben einfach jedes Stueck fotographiert. Oder mal mit der Videokamera druebergeschwenkt. Einer hatte tatsaechlich so eine Mittelgrosse Profikamera dabei, kompletten mit fettem Mikro obendrauf und allem. Dass er kein Flutlicht dabei hatte, wunderte mich allerdings. Aber die Jungs koennen jetzt zu Hause nochmal 3 Tage in dem Museum verbringen und sich die ganzen Bilder begucken. Ich frag mich, was die damit vorhaben - wollen die das alles kopieren?
Nach dem Museum haben wir uns dann Richtung Osten durchgeschlagen, Richtung Altstadt. Der erste Teil, den wir durchquert haben, war unbehandeltes, rohes Ur-Shanghai. Maximal zwei Stockwerke (Erdgeschoss ist immer 1. Stock hier in China), winzig, drecking, heruntergekommen und zum Teil schon eingefallen oder eingerissen. Ausser uns habe ich da auch keine westlichen Gesichter gesehen, aber die Eingeborenen waren sehr friedlich. In Rio haett ich mich in so eine Zone ja nicht reingewagt... Und die ganze Zone eingeschlossen von Wolkenkratzern und Baustellen, die mal Wolkenkratzer werden wollen.
Von da aus mussten wir allerdings auch nur eine einzige Strasse ueberqueren, um in die touristische Altstadt zu kommen. Da hatten sie dann alles schoen in chinesisch anmutenden Bauten mit geschwungenen Daechern hochgezogen, eine Touribude neben der anderen und Massen von Leuten, die sich ueber die Buergersteige waelzten. Sah alles sehr huebsch aus, hatte aber ein bischen Phantasialand-Feeling. Sah irgendwie nicht so authentisch aus. Die alten Bruchbuden nebenan haben einen da schon mehr beruehrt. Wir waren auch am Yu-Garten, sind da aber nur vorbeigelaufen. Das Preisschild hat da wohl ein bischen zu beigetragen, die wollten mehr Eintritt als das Museum, das fand ich fuer einen Garten etwas uebertrieben. Hab dann allerdings spaeter gelesen, dass der in der Tat sehr sehenswert sein soll. Muss ich also nochmal hin, aber wenn die naechste Kollegenwelle ins Land schwappt, laesst sich da sicher was reissen.
Da es inzwischen langsam dunkelte, haben wir uns dann mal aufgemacht, was zu essen zu suchen. Irgendwo abseits der Nanjing Lu, der grossen Einkaufsstrasse, sind wir dann fuendig geworden. Haben uns von einer Lokalschreierin (weiss nicht, wie man die anders nennen soll - "ENGLISH MENU! ENGLISH MEN! VERY GOOD! VERY GOOD!" - Wiederholungen sind hier sehr beliebt) reinlocken lassen, auch wenn mir der Laden ein bischen unheimlich vorkam, da war naemlich sonst keiner drin. Aber es war ja auch noch recht frueh fuer Abendessen. Haben dann mal wie ueblich vier Gerichte bestellt und die waren alles in allem richtig lecker. Ok, bei einem Huhn-Gericht lagen mehr getrocknete Chilis auf dem Teller als Tierteile, die haben wir dann nicht aufgegessen, aber vom Rest ist nicht viel uebrig geblieben. Da wir nach der Rennerei doch etwas hungrig waren, haben wir danach dann noch zwei Gerichte nachbestellt. Und dann nochmal drei. Hat uns wirklich geschmeckt, und wir haben nur zwei Sachen doppelt bestellt (aber schon das hat den Chef ziemlich irritiert). Was uns hingegen ziemlich irritiert hat war die Lokalschreierin, die die ganze Zeit versucht hat, noch mehr Leute reinzulocken. Das fing immer an mit einer Phrase die wie "My bonnie..." klang, und wir dachten jedesmal, die faengt jetzt an zu singen. Ging aber nicht, die konnte ja gar kein Englisch. Haetten mal fragen sollen, was das bedeutet...
Vom Essen aus sind wir dann recht schnurstracks zum Hotel zurueck. Dafuer mussten wir allerdings noch ein Stueck weit die Nanjing Lu entlanglaufen, wo man dann alle drei Meter angequatscht wird, weil die alle was zu verkaufen haben. Gefaelschte Uhren hauptsaechlich, aber auch Schuhe, Taschen, Frauen und Rollen zum an die Fuesse schnallen. Ratet mal, wo ich schwach geworden bin. Genau, ich habe drei Euro in ein paar Rolluntersetzer fuer die Fersen investiert. Die kann man sich anschnallen und dann entweder auf dem Ballen laufen oder auf den Fersen rollen. Konnte sie leider noch nicht an meine Schuhgroesse anpassen, weil ich keinen Schraubenzieher mithabe (oder ich hab ihn noch nicht im Koffer gefunden - da uebersieht man ja so manches drin, wenn man ihn nicht ganz auspackt). Er-Fahrungs-Bericht folgt also spaeter. Oh, und ein Vogel kam, schaute uns verschwoererisch an und zog dann ein IBM Laptop aus der Tasche. Haben aber abgewunken, da kann man ja eh kein MacOS drauf installieren. Bettler hatten wir diesmal nicht so viele, dafuer ein paar sehr anhaengliche Schuhputzer. Die haben den Ibrahim 10 Minuten lang bequatscht und ihm zwischendurch sogar ein bischen weisse Schmiere auf die Schuhe gesaut, damit sie was zu putzen haben. Er hat sie aber nicht gelassen. Guter Mann.
Irgendwie faellt mir ja doch so langsam eine gewisse Unstrukturiertheit bei den Chinesen auf. Im Strassenverkehr haben wir ja schon oft genug gesehen, dass Regeln eigentlich mehr so grobe Richtlinien sind, an die sich die Radfahrer und Fussgaenger halten sollten, damit sie den Autos nicht allzuoft im Weg rumstehen sollen, aber fuer motorisierte Verkehrsteilnehmer gelten die offensichtlich nicht. Aber irgendwie scheint auch sonst jeder das zu machen, was er will. Bei Wasserhaehnen ist es jedesmal ein Ratespiel, in welcher Richtung auf und zu ist, ich hatte schon einen Einhandmischer den man runterdruecken musste, damit er aufdreht - der spitzfindige Leser mag jetzt argumentieren, dass das ja auch Sinn macht, weil man den Hebel Richtung Wasserhahn drueckt, wo das Wasser rauskommt, aber der sollte jetzt mal einfach die Klappe halten, weil sich runter einfach falsch anfuehlt. Die Fernbedienungen von meinen beiden Fernsehern auf dem Zimmer schalten runter, wenn ich hoch druecke (aber laut wenn ich rechts druecke, also halte ich sie nicht falschrum), der Kuehlschrank hat eine Temperaturanzeige fuer Aussen(!)temperatur und ich koennt noch 100 andere Beispiele nennen, wenn sie mir jetzt noch einfallen wuerden.
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Also den Yuan Garten solltest du dir echt ansehen. Der ist wunderschön. Und was sind schon 30 Yuan???
ReplyDeleteDas sind 10 Yuan mehr als dass Museum gekostet haette, wenn ich nicht die teure Super-Audio-Guide-Luxus-Tour gebucht haette! Fuer ein bischen Gruenzeug. Und im Restaurant krieg ich Gruenzeug fuer 12 Yuan! Ist doch total unverhaeltnismaessig.
ReplyDeleteAber in meinem Fuehrer heisst der Yu-Garten. Reden wir vom gleichen?