Saturday, January 27, 2007

Tempel und Tuermchen

Aufstehen um 11. War wohl keine so gute Idee, gestern nach dem Film noch ein bischen WoW zu spielen... gaehn. Aber irgendwann klingelte das Hoteltelefon und eine freundliche Maennerstimme informierte mich, dass das heutige Tagesprogramm auseinem Ausflug in eine angrenzende sehenswuerdige Stadt sei. Mist, dabei hatte ich so gehofft, dass alle in die Stadt wollen und ich faul zu hause rumliegen koennte. Aber so einen Ausflug kann man sich ja nicht entgehen lassen.

Naja. Unten in der Hotelhalle haben wir uns dann erstmal eine lange diskussion mit einem der Hotelpagen geliefert, der uns seinen Freund als Fahrer aufdraengen wollte. Wir fanden aber eine Fahrt mit dem normalen Taxi billiger, zumindest nach unserer Rechnung. Nach ausgiebiger Konsultation aller Reisefuehrer haben wir dann beschlossen, dass es eigentlich schon viel zu spaet ist, die Stadt noch zu verlassen und sind statt dessen zum Jade-Budda-Tempel gefahren.

Was uns da erstmal wieder aufgefallen ist, war die Affinitivitaet des Chinesen an sich zu Rauch. Also, dass Nichtraucher hier eher unbedeutend sind, haben wir ja schon gemerkt, und auch, dass so ein Glimmstengel eigentlich immer dazu gehoert. Egal, ob man in der anderen Hand noch die Staebchen mit dem Mittagessen haelt (und benutzt) waehrend man raucht, oder das Klopapier (und auch das vermutlich benutzt), sowas wie Tabuzonen oder -zeiten gibt's fuers Rauchen eigentlich nicht. Umso erstaunlicher war eigentlich, dass in dem Tempel Rauchverbot herrschte. Wo doch direkt im Eingangshof zwei grose Feuer brannten, in denen die Leute ihre Raeucherstaebchenbuendel anmachten. Buendel. Mindestens 20 auf einmal. Mit den rauchenden Buendeln in der Hand standen die Jungs und Maedels dann ueberall rum und verbeugten sich mehrfach in alle Himmelsrichtungen. Ich geh mal davon aus, dass das in der jeweiligen Religionszugehoerigkeit einem Gebet oder so gleichkommt.

Ueberhaupt ist Beten hier echt in. Zumindest in den Tempeln. Da wurde eigentlich alles mal kurz angebetet, was nicht bei drei auf den Baeumen war. Und ich sag Euch, die ganzen Statuen taten sich echt schwer mit klettern. Das ging teilweise so: ankommen, hinknien, dreimal verbeugen, aufstehen. Auf zur naechsten Statue. Nahm in meinen Augen schon echt inflationaere Zuege an. Ich mein, wenn man bei jedem Gott (ich nenn die Gebets-Zielobjekte jetzt einfach mal so, weil das Wort ist, was wohl noch am naechsten kommt) nur eine Minute verbringt, dann hat der wohl kaum den Eindruck, dass man da grade so richtig viel an ihn glaubt, oder?

Vom Tempel aus sind wir dann rueber zum Bund gefahren. Der Bund ist auf dem Stadtplan so ein richtig fetter Gruenstreifen am Fluss, wo man schoen rumspazieren kann.

Auf dem Stadtplan.

Der Bund ist in Wirklichkeit eine plattgewalzte Uferpromenade, von der aus man einen schoenen Ausblick auf Pudong, den frisch erbauten Teil von Shanghai jenseits des Flusses hat. Und zwischen der Promenade und der Strasse daneben stehen ein paar Baeume. Also, nix gegen die Aussicht auf die Skyline, aber den Gruenstreifen kann man sich auch wegdenken.

Dazu kommen dann noch kleine Fotostaende alle 50 Meter, die einen vor der Skyline fotographieren wollen um einem dann die Fotoabzuege zu verkaufen. Abzuege? Hallo? Wohl den Schuss nicht gehoert, was? Wo doch heute jeder mit Digitalkamera rumrennt und schon rein statistisch gesehen eins von den 500 Fotos die er macht anstaendig hinkriegt. Oder eins von 1000, wenn man so ein Amateur ist wie ich. Hab jedenfalls nciht gesehen, dass die viele Fotos verkauft haetten.

Nach Einbruch der Dunkelheit gings dann rauf auf den Oriental Pearl Tower. Einmal Shanghai aus 350 Meter Hoehe. Sehr eindrucksvoll, aber leider sind die Fenster da oben so dreckig, dass man nicht so anstaendig rausknipsen kann ;-( Ich hab's natuerlich trotzdem versucht.

Danach wollten wir dann mit dem Taxi heim. Der erste Versuch war so ein Haufen von Jugendlichen, die uns was von der Bruecke und nem Stop unten erzaehlten. Netterweise kam eine junge Frau vorbei, grade als wir bei denen ins Taxi steigen wollten, und wies uns drauf hin, dass das Privattaxen sind, die uns wahrscheinlich ueberteuerte Fahrpreise andrehen wollten. Ach so. Dann haben wir doch lieber ein anderes Taxi genommen, das hat uns zum Normalpreis gefahren. Muss man schon ein bischen aufpassen hier. Haette uns wahrscheinlich stutzig machen sollen, dass die uns erst was erzaehlen wollten und nciht schon laengst im Auto sassen.

Hab mich uebrigens vor dem Pearl Tower von einer Souvenir-Verkaueferin so richtig ueber den Tisch ziehen lassen. Wollte mir kitschige Modelle von dem Turm verkaufen, fuer 8 Euro. Ich hab ihr einen geboten. Bei 35 sind wir uns einig geworden. Wollte grade anfangen, stolz auf mich zu sein, weil ich ueberhaupt gefeilscht habe, da hat die andere Souvenirschubse dem Ron ihre Ware fuer 2 Euro angeboten. Der wollte aber immer noch nicht. Also, fuers naechste mal merken: erstmal ein horrend niedriges Angebot machen und dann solange ignorieren, bis sie wirklich nicht mehr runtergehen. Hab wohl noch viel zu lernen...

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