Thursday, November 13, 2008

Welcome to India

Himmel, jetzt bin ich grad mal einen Tag hier, und schon gehn die Inder mir auf den Sack. Dafuer haben die Schlitzaugen einen ganzen Monat gebraucht. Wir haben einen kompletten Tag lang auf unserem Messestand darauf gewartet, dass der mal fertig wird, aber in den 5 Stunden die wir da waren haben die es grade mal geschafft, eine Zwischenwand in unseren Messestand zu ziehen und da eine Tür reinzuhängen. Ey, allein der Anblick von 5 Eingeborenen, die um unsere Gerätekiste rumstehen und mit Kreuzschraubendrehern versuchen, die Torx-Schrauben und Nägel(!!!) rauszudrehen reicht ja eigentlich schon für 3 Blog-Postings. All das nur, weil ich Ihnen verboten habe, die 6cm-Schrauben mit der Brechstange rauszuhebeln, bloss weil ich's ganz nett finde, wenn man seine Exponate auch wieder in intakten Kisten heimschicken kann. Und ich glaube, die Bauteile für den Messestand haben sie vom Spermüll bei der Shanghai-Messe geklaut, so versifft und kaputt wie die aussehen. Mal schaun, vielleicht mach ich noch eine Schlechts-Of-Collage von Ekelfotos von den hässlichsten Messestandsecken. Und wenn man denn irgendjemanden darauf anspricht? 'Ja, das ist hier in Indien immer so...'

Und eins solltet Ihr Euch merken, auch wenn Ihr meint, das wär ja nur hier so: diese Pappnasen, die von Technik, strukturierter Arbeitsweise, Effizienz und Englisch ungefaehr soviel Ahnung haben wie ne Kuh vom Bolzenschussgerät, die gehn ans Telefon wenn Ihr die Hotline von Eurem Telefonanbieter oder IT-Service anruft. Denkt da mal drüber nach.

So, aber genug Inder-Bashing, es gibt ja durchaus auch ein paar nette, intelligente und fleissige Exemplare. Ausserdem muss ich ja von meinen eigenen Heldentaten berichten. Zum Beispiel, als wir festgestellt haben, daß man uns zwar einen Luftdruckschlauch verlegt hatte, aber leider nicht in unseren Stand sondern hinter die Rückwand. Und um den in unseren Stand reinzukriegen haette man entweder drei Stunden warten können, bis der nächste Arbeitstrupp kommt und sich gegenseitig beim Nachdenken über dieses Problem zuschaut, oder man nimmt sich eine Bohrmaschine und bohrt solange kleine Löcher in die Rückwand bis man ein großes Loch hat. Löcherbohren ist nämlich eine kommutative Operation. Oder eine additive?

Als das Loch dann in der Wand war und wir an den Schlauch rankamen, haben wir Bekanntschaft mit Murphy's Gesetz vom Druckluftschlauch und dem Starkstromverteilerkasten gemacht: Ein Druckluftschlauch, der die Möglichkeit hat, sich unwiderruflich unter einem Starkstromverteilerkasten in einem unzugänglich Raum zu verkeilen wird dies unter allen Umständen tun.

Leider war der Raum hinter unserem Stand in der Tat so unzugänglich, daß wir wirklich keinen Inder gefunden haben, den man da hätte reinkriechen lassen können, selbst wenn man die Risiken, die mit dem Rumkriechen an besagter Starstromquelle mal großzügig vernachlässigt hätte. Also hab ich kurzerhand das Teilstück von der Wand, die 5 Inder in stundenlanger Kleinarbeit zusammengeschraubt hatte, wieder rausgenommen und den Schlauch aus seiner mißlichen Lage befreit. Das gab den Kollegen Standbauern dann auch später die Gelegenheit, hinter dem Stand eine Stromquelle für uns abzugreifen - ich frage mich ja immer noch, was die wohl gemacht hätten, wenn ich die Wand nicht zerlegt haette.

So, zum Abschluß, bevor ich nach zwei nahezu schlaffreien Tagen endlich mal ins Bett falle, gibt's jetzt aber auch noch was Positives von hier: Kochen können die saugeil hier. Beim Abendessen im Hotel wollte ich gar nicht aufhören mit Essen. Aber als die anderen (mein exophoner Kollege ist übrigens auch wieder mit am Start) dann ins Bett gegangen sind, hab ich auch mal die Rechnung kommen lassen.

In diesem Sinne: 'nacht!

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