Sunday, November 23, 2008

Footzooming Bangalore

Park. Park? Pflegt den auch einer? Mäht jemand den Rasen? Räumt jemand den Müll weg? Straße. Autos. Hupen. Lärm. Taxi - nur 100 Rupies? Nee danke, ich lauf lieber. Taxi - nur 100 Rupies? Nein danke, ich möchte laufen. Taxi - nur 100 Rupies? Oh fuck off already. Wie überquert man eine Kreuzung, wo 6 Straßen einmünden? Frogger. Indische Einkaufsstraße. Menschen, die rauf und runterlaufen. Autos die rauf und runterfahren. Alle durcheinander. Gehen. Aufpassen. Keinen ueber den Haufen laufen wollen. Nicht ueberfahren werden wollen. Die Straße rauscht vorbei. Stehenbleiben. Einen Schritt zurück in einen Hauseingang. Alles wird ruhiger. Gesichter treten aus der Masse hervor. Der Lärm hält sich vornehm zurück, will den Eindruck vorübergehender Ruhe nicht stören. Ein Passant betrachtet nachdenklich die Auslage im Bücherladen. IT-Bücher, die aussehen als hätten sie in den 70ern schon Staub angesammelt. Weitergehen, Lärm, Autos, gesichtslose Menschenmassen kommen zurück. Eine mehrstöckiger Bau beherbergt den Markt, den ich gesucht habe. Der Bau war wohl mal weiß. Die metallenen Verzierungen waren sicher mal hübsch, bevor sie rostig wurden. Auf dem Markt gibts Blumen. Obst. Gemüse. Blumen. Gewürzpulver ist in großen Kegeln aufgeschichtet, deckt das Spektrum von gelb bis rot fast vollständig ab. Intensive Gerüche geben sich die Nasenflügel in die Hand. Ich lasse mich von den Massen durch die Gänge schieben. Wieder raus. Zwischen Markthalle und der nächsten großen Straße mehr Händler, die auf dem Boden ihre Ware feilbieten. Zwischen den Füßen der Passanten und dem Müll den jeder einfach überall hinwirft. Hier und da ein Bettler der die Hand aufhält. Hier und da ein Mensch, der auf dem Boden liegt. Sie sehen schlafend aus. Hier und da eine Kuh, die im Müll nach Abfall sucht. Überall Lärm, hier noch ohrenbetäubender als zuvor. Dazu der Gestank, der mir an den Fischbuden fast den Atem raubt. Flucht in die Überreste eines Forts, das hier mal stand. 50 Meter und eine dicke Steinmauer von der Straße erschlägt mich die Stille. Verschnaufen. Das Krankenhaus gleich um die Ecke erweitert die Ruhezone. Ist das noch in Betrieb? Die Gebäude sehen verlassen und verwahrlost aus. Aus einem Fenster winkt mir ein kleiner Junge zu. Ich winke zurück. Rückweg, vorbei an der Markthalle und der Einkaufsstraße, über Hauptstraßen und ungepflegte Parks. Auf halber Strecke halte ich es nicht mehr aus und stöpsele die Kopfhörer ins Telefon. Von hier an begleiten mich die Toten Hosen mit ihrem Album "In aller Stille".

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