Sunday, November 30, 2008

Isch liebe Deutscheland

Da sitzt man gemütlich in der Bahn, seinen Koffer neben sich und freut sich, dass man noch einen Sitzplatz am Sonntag abend Richtung Aachen ergattert hat, da kommt so eine dunkelhäutige Mitbürgerin mit echt substanzieller Masse und setzt sich auf den Koffer. Auf meine freundliche Frage ob sie das vielleicht lassen könnte (und die damit implizierte Aufforderung ihren fetten Arsch woanders zu parken) schaut sie mich und meinen Koffer groß an und fragt mich: "warum?"

War ich solange weg, daß das Sitzen auf fremdem Eigentum inzwischen gesellschaftsfähig geworden ist?

Tuesday, November 25, 2008

Urlaub!

Seit gestern bin ich in Goa. Hinflug war harmlos, Einchecken schon komplizierter. Erst gings nicht, weil ich mehr als zwei Stunden vorher da war (den Grund hat mir natürlich keiner gesagt, hieß nur, ich sollte in 5 Minutes noch mal wiederkommen). Dann hatte ich meinen Boarding Pass, mußte aber zum International Gate, weil der Flieger über Goa weiter nach Dubai flog. Das hat nicht nur keiner von den nachfolgenden Security-Meistern geschnallt, die haben auch noch nix gesagt. Nur auf mein Ticket gestarrt, was indisches vor sich hingemurmelt und noch ein bischen gestarrt. Und wie kopflose Hühner hin- und hergerannt. Mir war da leider auch noch nicht so klar, wo denn der Haken war, sonst hätt ich sie wahrscheinlich aufklären können. Aber irgendwann war ich dann doch im Bus, der mich zum Flieger karren sollte, zusammen mit 15 anderen Gestalten. Dann gabs 15 Minuten Aufenthalt im Bus, weil irgendwer sein Customs-Form nicht ausgefüllt hatte. Das Customs-Form muss man nämlich für so einen innerindischen Flug nach Goa in Bengalurien ausfüllen und dann anscheinend noch am gleichen Flughafen wieder so einem Hansel in die Hand drücken. Ausfüllen ist an der Stelle auch übertrieben, Name und Flugnummer reichten eigentlich völlig aus. Keine Ahnung, was das sollte, aber der letzte der das wußte ist sicher vor 100 Jahren zurück nach England gereist. Immerhin war der Flieger dann so leer, daß ich mich problemlos in die erste Reihe der Holzklasse mogeln konnte und immerhin genug Platz hatte.

Sunday, November 23, 2008

Footzooming Bangalore

Park. Park? Pflegt den auch einer? Mäht jemand den Rasen? Räumt jemand den Müll weg? Straße. Autos. Hupen. Lärm. Taxi - nur 100 Rupies? Nee danke, ich lauf lieber. Taxi - nur 100 Rupies? Nein danke, ich möchte laufen. Taxi - nur 100 Rupies? Oh fuck off already. Wie überquert man eine Kreuzung, wo 6 Straßen einmünden? Frogger. Indische Einkaufsstraße. Menschen, die rauf und runterlaufen. Autos die rauf und runterfahren. Alle durcheinander. Gehen. Aufpassen. Keinen ueber den Haufen laufen wollen. Nicht ueberfahren werden wollen. Die Straße rauscht vorbei. Stehenbleiben. Einen Schritt zurück in einen Hauseingang. Alles wird ruhiger. Gesichter treten aus der Masse hervor. Der Lärm hält sich vornehm zurück, will den Eindruck vorübergehender Ruhe nicht stören. Ein Passant betrachtet nachdenklich die Auslage im Bücherladen. IT-Bücher, die aussehen als hätten sie in den 70ern schon Staub angesammelt. Weitergehen, Lärm, Autos, gesichtslose Menschenmassen kommen zurück. Eine mehrstöckiger Bau beherbergt den Markt, den ich gesucht habe. Der Bau war wohl mal weiß. Die metallenen Verzierungen waren sicher mal hübsch, bevor sie rostig wurden. Auf dem Markt gibts Blumen. Obst. Gemüse. Blumen. Gewürzpulver ist in großen Kegeln aufgeschichtet, deckt das Spektrum von gelb bis rot fast vollständig ab. Intensive Gerüche geben sich die Nasenflügel in die Hand. Ich lasse mich von den Massen durch die Gänge schieben. Wieder raus. Zwischen Markthalle und der nächsten großen Straße mehr Händler, die auf dem Boden ihre Ware feilbieten. Zwischen den Füßen der Passanten und dem Müll den jeder einfach überall hinwirft. Hier und da ein Bettler der die Hand aufhält. Hier und da ein Mensch, der auf dem Boden liegt. Sie sehen schlafend aus. Hier und da eine Kuh, die im Müll nach Abfall sucht. Überall Lärm, hier noch ohrenbetäubender als zuvor. Dazu der Gestank, der mir an den Fischbuden fast den Atem raubt. Flucht in die Überreste eines Forts, das hier mal stand. 50 Meter und eine dicke Steinmauer von der Straße erschlägt mich die Stille. Verschnaufen. Das Krankenhaus gleich um die Ecke erweitert die Ruhezone. Ist das noch in Betrieb? Die Gebäude sehen verlassen und verwahrlost aus. Aus einem Fenster winkt mir ein kleiner Junge zu. Ich winke zurück. Rückweg, vorbei an der Markthalle und der Einkaufsstraße, über Hauptstraßen und ungepflegte Parks. Auf halber Strecke halte ich es nicht mehr aus und stöpsele die Kopfhörer ins Telefon. Von hier an begleiten mich die Toten Hosen mit ihrem Album "In aller Stille".

Saturday, November 22, 2008

Hard Rock Cafe Bengaluru

Hardrock Cafe Bengaluru

Was für ein Abend. Fing ja damit an, daß wir nach erfolgreichem Messeabbau noch was Essen gehen wollten. Da die Hälfte der Kollegen später kam, hab ich mich ins Bett gelegt und ein bischen ferngesehen, bis mir irgendwer sagt, wanns los geht. Kurz vor 10 klingelt das Telefon - ja, wir stehn jetzt unten in der Lobby und wollen los? Ja hallloooo, wollen wir beim nächsten Mal vielleicht noch ein bischen später Bescheid sagen?Naja, mußten die Herrschaften halt warten, bis ich angezogen war. Um viertel nach 10 waren wir dann im Hard Rock Cafe (ist gleich um die Ecke vom Hotel), haben auch gleich einen Tisch bekommen, das war ja noch erfreulich. Dann hat erstmal der Kellner rumgestreßt, daß ja gleich die Küche dichtmacht und wir besser ein bischen zackig ordern sollten. Naja, kann man ja einsehen, war ja auch nicht mehr die Prime-Dinner-Time. Also schnell eine Runde Burger bestellt und ein paar Pints lokales Helles vom Faß. 'Gibt's heut nicht'. Hat der Kellner gesagt (in Englisch natürlich). An einem Samstag abend. In einem Hardrock Cafe. Kein Faßbier. Ja, hallo, geht's noch? Na gut, dann eben Flaschenbier. Halbe Menge, natürlich flaschenüblich geschmacksreduziert, aber zum vollen Preis. Dann kamen die Burger, die waren lecker, wir aßen, alles war gut. Bis viertel nach 11. Dann kam der Kellner und nahm die letzte Bestellung auf.
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Is. Klar.
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Echt?
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Echt.
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Im Hardrock Cafe.
In Bangalore.
Samstags abends.
Im Hard. Rock. Cafe. Nicht daß es hier irgendwelche Mißverständnisse gibt.
Haben dann kopfschüttelnd die letzte Runde Cocktails, Longdrinks und Scotch bestellt und uns in unser Schicksal ergeben. Das stand dann um 23:35, 15 Minuten nach Einschalten der Innenraumbeleuchtung in Form eines massigen, dunkelhäutigen Inders Marke Bad Motherfucker bei uns am Tisch und meinte, daß sie jetzt schließen würden, ungeachtet der Tatsache, daß von unseren bestellten Drinks noch 75% in den Gläsern lagerten, statt sich verdauen zu lassen. Wir haben dann behauptet, wir würden ja nur noch schnell austrinken, und das Spiel wiederholte sich dann im 2-Minuten-Takt bis um dreiviertel zwölf. Bis dahin hatten sich dann 4 düstere Gestalten um unseren Tisch versammelt um uns rauszuekeln. Wär ja auch gar kein Problem mit den 50 Restprozenten unserer Getränke, die dürften wir gerne mitnehmen. In diesen formschönen roten, beschichteten Zellulosecontainern, die man uns darbot. Dann sind wir kopfschüttelnd aufgestanden und gegangen.

Thursday, November 20, 2008

Demo!

Heute gab's ne Demo auf der Messe. Die armen Aussteller aus dem
oberesten Stock unserer Halle haben ihren Unmut kundgetan, daß die
Messeleitung sie voll untern Tisch gezogen hätte, weil Ihre Stände ja
soweit weg wären und da nie jemand hinkäme. Na und? Bei uns ist es
alle 60 Minuten unmöglich, ein Kundengespräch zu führen, wenn man
nicht grade die Angewohnheit hat, Leute, von denen man Geld haben
will, aus voller Kehle anzubrüllen.

Aber so eine Demo ist natürlich mal eine prima Gelegenheit mit der
fetten Kamera um den Block zu ziehen und Demonstranten abzulichten.
Einmal hatte ich mich grade so schön in Position gebracht und
angelegt, als sich so ein dämlicher Kerl direkt vor meine nicht grade
leicht zu übersehende Kamera stellt und selbst ein Foto schiessen
will. Anstatt ihm mit dem Tele einen neuen Scheitel zu ziehen hab ich
mich dann aber an meine gute Erziehung erinnert und ihn einfach mal
dezent fotografiert. Serienbilder. 6 Stück pro Sekunde. Nach 2.66
Sekunden hat er sich dann anscheinend schon gefragt, was denn dieses
klacklacklacklack hinter seinem Ohr soll und einen Schritt beseite
gemacht. Hat natürlich geguckt, als wärs eine Unverschämtheit, daß ich
da auch fotografieren wollte und dann auch noch als erster da war.
Echt, manchmal frag ich mich, wieweit dieses Land wohl wäre, wenn die
Briten ihnen nicht Feuer und das Rad gebracht hätten.

One of these days

Es gibt so Tage, da steht man auf dem indischen Herrenklo und wundert
sich, was für ein Schwein es geschafft hat, seine Scheiße über die
gesamte Toilettenwand zu verteilen. Und wenn man dann vorsichtig nach
dem Toilettenpapier greift und die Rolle samt Halter in den Eimer mit
benutztem Klopapier fällt, denkt man: gut daß ich noch eine eigene
Rolle mitgebracht habe...

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Älle Rechtschreibfehler gehören der Textvervollständigung von Apple!

Wednesday, November 19, 2008

Wo bin ich?

Zugegeben, das ist ne doofe Frage, weil ich natürlich hinter der
Kamera stehe. Aber ich wollte doch mal zeigen, wo wir eigentlich sind.
Ganz hinten rechts, zwischen den beiden oberen Leuchtstoffröhren im
Lupenbild, kann man nämlich mit etwas Phantasie noch eine Ecke von
unserem Vorführgerät ausmachen.

Tuesday, November 18, 2008

Halbzeit!

Das bin ich auf der Messe, mit der Höllenmaschine, die am Stand
gegenüber steht. 20 Minuten pro Stunde Dauerlärm, falls ich das nicht
schonmal erwähnt habe, aber immerhin sind jetzt 4 von 8 Tagen rum.

Ich frag mich, wieso eigentlich kaum jemand, dem ich meine Kamera in
die Hand drücke, es schafft ein scharfes Foto zu schiessen. So schwer
kanns doch nicht sein, den rot blinkenden Punkt in der Mitte auf das
Motiv (hier: mich) zu legen, oder?

Sunday, November 16, 2008

meine aktuelle Position

I am at
http://maps.google.com/maps?q=12.975605,+77.599719


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Älle Rechtschreibfehler gehören der Textvervollständigung von Apple!

Hier bin ich

Ganz oben rechts, gegenüber von Toyota. Das sind die mit den lauten
Webstühlen. Ernsthaft, die Finger machen einen Krach, daß man seine
eigenen Gedanken nicht mehr hört. Und das für 20 Minuten pro Stunde.

Friday, November 14, 2008

Kann losgehen

Heute schreib ich nix. Erstens bin ich satt und müde, und zweitens hab ich gar nix zu lästern, weil ein paar Inder unseren Stand so schön geputzt haben, daß er fast sogar sauber geworden wär. Das fast lag auch nicht an den Anstrengungen der Inder sondern an der Putzresistenz vom Dreck. Und das Debakel mit der Decke vom Stand vergess ich jetzt einfach mal wohlwollend.

Thursday, November 13, 2008

Welcome to India

Himmel, jetzt bin ich grad mal einen Tag hier, und schon gehn die Inder mir auf den Sack. Dafuer haben die Schlitzaugen einen ganzen Monat gebraucht. Wir haben einen kompletten Tag lang auf unserem Messestand darauf gewartet, dass der mal fertig wird, aber in den 5 Stunden die wir da waren haben die es grade mal geschafft, eine Zwischenwand in unseren Messestand zu ziehen und da eine Tür reinzuhängen. Ey, allein der Anblick von 5 Eingeborenen, die um unsere Gerätekiste rumstehen und mit Kreuzschraubendrehern versuchen, die Torx-Schrauben und Nägel(!!!) rauszudrehen reicht ja eigentlich schon für 3 Blog-Postings. All das nur, weil ich Ihnen verboten habe, die 6cm-Schrauben mit der Brechstange rauszuhebeln, bloss weil ich's ganz nett finde, wenn man seine Exponate auch wieder in intakten Kisten heimschicken kann. Und ich glaube, die Bauteile für den Messestand haben sie vom Spermüll bei der Shanghai-Messe geklaut, so versifft und kaputt wie die aussehen. Mal schaun, vielleicht mach ich noch eine Schlechts-Of-Collage von Ekelfotos von den hässlichsten Messestandsecken. Und wenn man denn irgendjemanden darauf anspricht? 'Ja, das ist hier in Indien immer so...'

Und eins solltet Ihr Euch merken, auch wenn Ihr meint, das wär ja nur hier so: diese Pappnasen, die von Technik, strukturierter Arbeitsweise, Effizienz und Englisch ungefaehr soviel Ahnung haben wie ne Kuh vom Bolzenschussgerät, die gehn ans Telefon wenn Ihr die Hotline von Eurem Telefonanbieter oder IT-Service anruft. Denkt da mal drüber nach.

So, aber genug Inder-Bashing, es gibt ja durchaus auch ein paar nette, intelligente und fleissige Exemplare. Ausserdem muss ich ja von meinen eigenen Heldentaten berichten. Zum Beispiel, als wir festgestellt haben, daß man uns zwar einen Luftdruckschlauch verlegt hatte, aber leider nicht in unseren Stand sondern hinter die Rückwand. Und um den in unseren Stand reinzukriegen haette man entweder drei Stunden warten können, bis der nächste Arbeitstrupp kommt und sich gegenseitig beim Nachdenken über dieses Problem zuschaut, oder man nimmt sich eine Bohrmaschine und bohrt solange kleine Löcher in die Rückwand bis man ein großes Loch hat. Löcherbohren ist nämlich eine kommutative Operation. Oder eine additive?

Als das Loch dann in der Wand war und wir an den Schlauch rankamen, haben wir Bekanntschaft mit Murphy's Gesetz vom Druckluftschlauch und dem Starkstromverteilerkasten gemacht: Ein Druckluftschlauch, der die Möglichkeit hat, sich unwiderruflich unter einem Starkstromverteilerkasten in einem unzugänglich Raum zu verkeilen wird dies unter allen Umständen tun.

Leider war der Raum hinter unserem Stand in der Tat so unzugänglich, daß wir wirklich keinen Inder gefunden haben, den man da hätte reinkriechen lassen können, selbst wenn man die Risiken, die mit dem Rumkriechen an besagter Starstromquelle mal großzügig vernachlässigt hätte. Also hab ich kurzerhand das Teilstück von der Wand, die 5 Inder in stundenlanger Kleinarbeit zusammengeschraubt hatte, wieder rausgenommen und den Schlauch aus seiner mißlichen Lage befreit. Das gab den Kollegen Standbauern dann auch später die Gelegenheit, hinter dem Stand eine Stromquelle für uns abzugreifen - ich frage mich ja immer noch, was die wohl gemacht hätten, wenn ich die Wand nicht zerlegt haette.

So, zum Abschluß, bevor ich nach zwei nahezu schlaffreien Tagen endlich mal ins Bett falle, gibt's jetzt aber auch noch was Positives von hier: Kochen können die saugeil hier. Beim Abendessen im Hotel wollte ich gar nicht aufhören mit Essen. Aber als die anderen (mein exophoner Kollege ist übrigens auch wieder mit am Start) dann ins Bett gegangen sind, hab ich auch mal die Rechnung kommen lassen.

In diesem Sinne: 'nacht!

Tuesday, November 11, 2008

So mag ich die Bahn...

Erst zu spät kommen und dann zu wenig Waggons mitbringen... Gut daß
ich morgen erstmal weg bin.

Sunday, November 2, 2008

Endlich...

... Ist die Welt wieder in Ordnung. Als wir gestern ganz pünktlich und
fahrplanmäßig nach Essen gefahren sind, dachte ich ja schon, ich wär
im falschen Film.