Tuesday, August 5, 2008

Letztes Posting vor der Autobahn!

So, Mittwoch früh ists jetzt, ich warte noch schnell, bis meine DVD
gerippt ist und blogge noch schnell ein bischen was in die Welt
hinaus. Zum Abschluß ist noch mal ein bischen China-Lästern angesagt,
finde ich.

Also, zum einen hab ich ja schon öfter gehört, daß der Chinese an sich
gerne wichtige Sachen wiederholt. Wiederholung zeigt also Wichtigkeit
an. Das hab ich heute dann auch gleich am eigenen Leib erfahren, als
unser Vertreter mir dreizehntausendmal erklärt hat, wie die Autobahnen
rund um Shanghai zusammenhängen (A8 an A5 über A30 zur A11, die noch
mit an der B312 hängt, aber an der richtigen Stelle keine Ausfahrt
hat) und warum wir ausgerechnet diese Strecke fahren (Stau auf allen
anderen Strecken, und weil die A11 an der richtigen Stelle keine
Ausfahrt hat). Irgendwie mußte ich da schon mal ein bischen an seiner
Prioritätenliste zweifeln, denn so oft wie der daß erklärt hat, hätten
es auch (rein Wichtigkeitstechnisch gesehen) die Abschusscodes der
hiesigen nukleoiden Spratzelköppe (ihr wißt was ich meine, aber ich
will die Zensurfilter nicht antriggern) sein können. Und ich wollte
das doch nichtmal wissen. Mal ehrlich, das interessiert doch nen Toten
und vielleicht noch dessen Taxifahrer, wie die blöden Autobahnen
zusammenhängen. Mir reicht's, daß die Yan'An Road von links nach
rechts geht, am Bund endet und man darüber eigentlich überall
hinkommt. Mehr brauch ich ohne internationalen Führerschein gar nicht
zu wissen, nem Taxifahrer könnt ich ja eh den Weg nicht erklären, weil
der mein Englisch nicht verknuseln kann.

Obwohl, der der mich grade heimgefahren hat, vielleicht schon. Der hat
mal Zeichen von Intelligenz gezeigt. Erst hat er meinen Versuch
verstanden, die Straßennamen auszusprechen, dann festgestellt daß ich
ihn ja gar nicht verstehen kann, wenn er mich fragt, ob ich lieber
über die Brücke oder durch den Tunnel möchte (und dann selbstständig
den kürzeren Weg gewählt) und zum Schluß haben wir noch ein paar
englische und chinesische Worte getauscht.

Aber nochmal zurück zu unserem Vertreter: der fragte nämlich beim
Abendessen, ob wir nicht mal ein chinesisches Officepaket installieren
könnten, um was auszuprobieren. Das gäbs doch umsonst zum Runterladen.
Als wir im dann erklärt haben, daß Microsoft da eigentlich schon ganz
gerne ein paar RMB für hätte, hat er groß geguckt und gemeint, hier in
China würden das alle nur runterladen. Und da beschwert sich unsere
Musikindustrie über einen Mangel an Unrechtsbewußtsein bei deutschen
Tauschbörsenbenutzern... naja, ich hab ihn dann strafend angeschaut
und mir ein paar DVDs mit aktuellen Kinofilmen gekauft.

Monday, August 4, 2008

It's a good day to fry...

Hab ja gestern in einer ruhigen Stunde Starship Troopers 3 geguckt.
Mäßiger Film, aber der Titelsong "It's a good day to die",
hingebungsvoll hingeschmettert von einem der Hauptdarsteller, bleibt
doch irgendwie im Kopf hängen...

Naja, wir waren heute auf Kundenbesuch in Suzhou. Auf halbem Weg hat
der Wagen angefangen, uns mit der Temperaturwarnlampe anzublinken,
deshalb sind wir dann mit halber Kraft und ohne Klimaanlage zum
Ersatzauto gefahren. Eine gute Stunde lang. Ohne Klimaanlage. Im
Anzug. Übrigens ohne Klimaanlage. Ganz großer Spaß...

Naja, konnte ja keiner was für. Nicht mal unser Vertreter, eigentlich.
Der war nur schuld, daß mir den ganzen Tag flau im Magen war, der hat
uns nämlich gefahren. Und wie sich das für einen Asiaten gehört, kann
er das nicht sehr gut. Kaum bewußt bemerkbar, aber doch irgendwie sehr
deutlich hat der nämlich auf längeren Geradeausstrecken immer Gas
gegeben und wieder weggenommen, Gas gegeben, weggenommen, Gas
gegeben... naja, Ihr wißt schon. Und das Geruckel kann einem mit der
Zeit echt ganz schön auf den Sack gehen. Ich war jetzt noch nicht ganz
soweit, meinen Unbill durch ein gepflegtes Erbrechen auf seinen Gasfuß
zum Ausdruck zu bringen, aber doch schon drauf und dran zu fragen, ob
der Motor denn wohl in Ordnung sei. Der ruckele so komisch. Eigentlich
haben nur meine exophonen Mitfahrer seinen Gesichtsverlust verhindert,
es ließ mich nämlich niemand zu Wort kommen, als ich grade genug Mut
angesammelt hatte.

Wozu mir gleich noch so eine Unart der hiesigen Autofahrer einfällt:
allgmeines Verhalten bei so ziemlich allen Autofahrern hier auf eine
Situationsveränderung geht nämlich so: Bremsen, denken, reagieren. Wo
unsereins also zum Beispiel beim abrupten Spurwechsel des Vordermannes
denkt "ach, das paaaassst ja noch", gemütlich den Wagen weiterrollen
läßt und gegebenfalls nach einem kurzen Rückspiegelblick sanft die
Spur wecheslt, wird hier erstmal voll gebremst. Dann geguckt was der
Vodermann macht, dann was die Hintermänner machen und dann gewartet
bis der Weg wieder frei ist und man wieder Gas geben und wegnehmen
kann. Womit wir wieder bei meinem letztjährigen Kritikpunkt der in
China üblichen TEAM-Verhaltensweisen sind (so wie in "Toll Ein Anderer
Machts") - erstmal abwarten, ob ich was tun muß oder ob das vielleicht
jemand für mich macht...

Ihr merkt schon, ich fang an, wieder rumzumäkeln. Wird Zeit daß ich
nach Hause komme.

Für den Rest des Abends kann ich nur auf den Post vom letzten Dienstag
verweisen. Gute Nacht!

P.S.: Waren für meinen Kollegen noch in der Apotheke, was für seine
Erkältung holen. Da mußte ich dann doch mal ein Foto von der Auslage
unter der Kasse machen und mich verwundert fragen, welcher
Marketingstratege eine Kondomsorte 'Trojan' nennt...

Sunday, August 3, 2008

Relax

Wenig Highlights heute. Frühstück bei Starbucks (so ein anständiger
Kaffee statt der milchigen Zuckerplörre hier im Hotel ist doch hin und
wieder ein paar Euro wert), ein bischen Souvenirshoppen (war beim
Feilschen nicht gar so erfolgreich wie gestern, aber es ging ja auch
nicht um einen gefälschten Markenartikel) und ein bischen auf dem Bett
rumliegen und Video gucken.

Abends gabs dann (endlich mal wieder) eine gepflegte Ölmassage im
Salon meines Vertrauens (der gleiche wie letztes Jahr) und ein paar
gekühlte Getränke mit Livemusik in der French Concession. Teuer, aber
mal eine nette Abwechslung. Jetzt geh ich ins Bett, morgen geht's auf
Kundenbesuch.

P.S.: eine meine Leserinnen (gelle?) wird sich sicher noch an unsere
gemeinsame Ansicht über Leute erinnern, die von dem was sie hören nur
soviel aufnehmen, um das nächste Stichwort für ihren eigenen
Redeschwall zu finden. Oder einfach nur auf ein Pause warten, um
selbigen loszuwerden, auch wenn die Pause nur ein Komma im Satz ihres
Gesprächspartners ist. Wie ich sie hasse, diese exophonen Typen! Kann
man doch eigentlich nur im Verkauf oder im Management von großen
Telekommunikationsfirmen unterbringen, oder?

P.P.S.: Muss ich exophon wirklich noch erklären? Jemand, der mehr
Schall abgibt, als er aufnimmt... Ich wäre zum Beispiel eher endophon.

Saturday, August 2, 2008

Zwischenurlaub

So, jetzt muß ich doch mal wieder ein bischen zusammenfassen hier. Ist
ja schon wieder Stunden her, seit ich das letzte Mal gebloggt hab.Und
ich muß mich ja auch noch kurz fassen, sonst schläft mir die Hälfte
meiner Leserschaft mit dem ADS wieder mittendrin ein.

Also, Messezusammenfassung: mein persönliches Highlight war ja, zu den
Firmen zu gehen, die unser Standardprüfgerät kopiert haben und mir die
Schrotthaufen anzuschauen. Am Anfang noch ganz unauffällig, weil meine
chinesischen Kollegen meinten, ich sollte mich besser nicht mit meinem
Firmennamensschild zeigen. Die Schisser. Ist ja nicht so, daß es mein
Fehler wär, daß wir die Geräte entwickelt haben, und die Chinesen sie
dann nachgebaut hätten. Also bin ich dann irgendwann zu den
Herstellern hingegangen, hab mich vorgestellt und ihnen gesagt, daß
sie doch sicher nix dagegen hätten, wenn ich mal ein Foto mit ihren
Geräten machen würde. ODER? War dann auch kein Problem. Nur unsere
Chinesen sind aus allen Wolken gefallen, als ich ihnen die Fotos
gezeigt habe.

Das zweite Highlight hatte dann auch mit unserem
vertretungsangestellten Chinesen zu tun, ich nenn ihn hier mal C. Wie
Chinese. War allerdings nicht so sehr ein High-, sondern eher ein
Lowlight. C hat nämlich beim Abbau des Standes mit extremer
Zurschaustellung von Zuschaubereitschaft geglänzt. War schon ein echt
interessanter Anblick, wie er drei Leuten zugeschaut hat, wie sie
Sachen einpacken und sich dann hinterher erstmal setzen mußte. Daß
seine Chefs, die richtig geackert haben (soll nochmal einer behaupten,
Asiaten würden nicht schwitzen - ich hab das Gegenteil gesehen) ihn
nicht mal in die Mangel genommen haben, kann ich nur der hiesigen
Gesichtswahrungs-Mentalitaet zuschreiben.

Aber jetzt, trotz Cs Hilfe, alles in Kisten verpackt und hoffentlich
auf dem Weg nach Europa. Und für uns erstmal zweieinhalb Tage
Wochenende, bevor wir Montag/Dienstag noch ein bischen auf
Kundenbesuch gehen.

Freitag nachmittag waren wir dann noch ein bischen schoppen. Ich hab
langsam Spaß am feilschen, mein Grundsatz ist jetzt "ein Drittel vom
Anfangspreis". Zumindest für Fake-Artikel wie meine neue 'Samsonite'-
Tasche. Wollte nämlich noch ein Umhängetäschchen, damit ich für Geld,
Kamera und Handies nicht ständig den großen Rucksack mit rumschleppen
muß. Die Dame wollte dann erstmal 12 Euro haben, ich hab 4 geboten.
Als ich wegging, war sie bei 5 Euro angekommen, und als ich ein
bischen später wieder vorbeikam und wieder wegging, hat sie mir die
Tasche für 4 Euro nachgeworfen. So ein ganz klein bischen nagt mein
Gewissen ja schon, weil mir der Euro sicher deutlich weniger wehtut
als der Verkäuferin, aber irgendwie hab ich so gar keinen Respekt mehr
vor den Leuten hier, insofern kann ich das verschmerzen.

Freitag abend waren wir dann noch Clubben. Waren mit den Österreicher
Kollegen verabredet und waren uns nicht so ganz klar darüber, daß es
in Shanghai zwei Clubs gibt, die MT heissen. Wir waren natürlich
prompt im falschen, mußten mit dem Kellner um die Tischgebühr
feilschen (60Euro, nur um da zu sitzen), sind wieder gegangen, wurden
in einer anderen Bar von liebreizenden Chinesinnen in EXTREM kurzen
Kleidchen unterhalten, bis sie Drinks von uns ausgegeben haben wollten
(Dongping Road, wenn jemand diese Form der Unterhaltung sucht) und
haben letzten Endes, nach einer kleinen Aufzugschlägerei (mit der wir
aber außer unserer Anwesenheit nix zu tun hatten) unsere Gruppe
gefunden. In dem Club zog auch immer eine Karawane kurzberockter
Damen an den Tischen vorbei, wohl auf der Suche nach einem edlen
Spender, der ihnen Drinks und vielleicht später eine kleine
Schwangerschaft aufdrängen wollte. Haben wir uns aber gespart, uns
waren die Zigarren schon ein bischen teuer...

Tja, und heute waren wir ein bischen durch Shanghai laufen zum
Sightseeing. War aber bei der Hitze in der Sonne kaum auszuhalten.
Abends gabs dann zur Belohnung noch Nudeln und eine kleine
Fussmassage, und ich hab mir mal die Karte von dem Green Massage
Schuppen vom letzten Jahr geholt. Vielleicht laß ich mich da morgen
nochmal gepflegt einölen.